Projekt-Kurzbericht
Ausgangssituation: Zur Herstellung von Orangensaft aus Konzentrat wird der Saft im Erzeugerland frisch gepresst und durch destillative Prozesse sowie Filtration in Fraktionen getrennt. Diese werden nach dem Transport im Verbrauchsland unter Verwendung von Wasser zur Orangensaft aus Konzentrat (OK) rekombiniert. Daneben wird im geringeren Umfang nicht-fraktionierter Saft nach Pasteurisation als Direktsaft (DS) vermarktet. Sowohl OK als auch DS unterscheiden sich im Aroma deutlich von frischen, handgepressten Säften. Weiterhin werden bei Herstellung und Lagerung von OK und DS signifikante Aromaveränderungen beobachtet. Da bisher keine gesicherten Erkenntnisse über die entscheidenden Aromastoffe industriell gepresster Frischsäfte vorliegen und chemische Abbauvorgänge sowie die Neubildung von Aromastoffen bei der Pressung bisher nicht systematisch untersucht wurden, ist eine ursächliche Klärung von Aromaunterschieden bei den genannten Säften sowie eine sichere Bewertung der technologischen Parameter im Hinblick auf eine Optimierung des Qualitätsparameters Aroma nicht möglich. Ziel des Vorhabens war zunächst die Identifizierung entscheidender Aromastoffe in Säften aus zwei der weltweit bedeutendsten Orangenvarietäten (Pera Rio, Pera Valencia) durch Kombination chemisch-instrumenteller (HRGC/MS; 1H-NMR) mit sensorischen Verfahren (GC-Sniffing; Aromarekombination). Anhand quantitativer Untersuchungen, die als Isotopenverdünnungsanalysen mit stabilen Isotopen (2H; 13C-markierte interne Standards) durchgeführt wurden, sollten diejenigen Aromastoffe sichtbar werden, die für die Unterschiede im Saftaroma ursächlich verantwortlich sind. Folgende Untersuchungen wurden an authentischen Proben durchgeführt:
Forschungsergebnis: Im Vordergrund der Untersuchungen an frisch gepressten Orangensäften (Handpressung, FMC-Pressung high-yield und low-low-yield) stand die Klärung der Unterschiede in den Aromastoffkonzentrationen in Abhängigkeit vom Pressverfahren sowie von der Entfernung der Pulpe im Separator. Im Einzelnen wurden folgende Ergebnisse erzielt:
Untersuchungen an Saft-Fraktionen ergaben, dass in der waterphase lediglich Acetaldehyd als wichtigster Aromastoff angereichert wird. Die anderen Saftaromastoffe wurden dagegen im essence oil konzentriert. Vergleichende Untersuchungen an Schalenöl und essence oil zeigten, dass essence oil im Wesentlichen durch die wesentlich höheren Gehalte an Ethylbutanoat und (Z)-3-Hexenal vom peel oil zu unterscheiden ist. Das Verhältnis von (Z)-3-Hexenal und Ethylbutanoat zu den Aldehyden C8-C10 bietet sich somit als Indikator für die Authentizität von essence oil an. Quantitative Messungen zu Konzentrationsveränderungen bei der Lagerung (4 °C; 20 °C; 37 °C) von rekonstituiertem Saft aus Konzentrat ergaben einen signifikanten Abbau nahezu aller Aromastoffe des Konzentratsaftes selbst bei 4 °C (nach 12 Monaten). Der Abbau nach 12 Monaten bei 20 °C entsprach im Wesentlichen quantitativen Daten der Lagerung von 1 Monat bei 37 °C. 4-Vinyl-2-methoxyphenol und 4-Hydroxy-2,5-dimethyl-3(2H)-furanon wurden bei der Lagerung in signifikanten Mengen neu gebildet. Deutliche Abnahmen wurden für Linalool sowie für alle gesättigten Aldehyde (C8-C10) sowie auch die Ester gemessen. Sowohl die Beteiligung von Carvon als auch von Vanillin am Fehlaroma der gelagerten Säfte konnte hingegen ausgeschlossen werden. Weitere Untersuchungen zeigten, dass insbesondere die Vakuumentgasung sowie die Pasteurisation des frisch gemischten Konzentratsaftes zur nahezu vollständigen Abnahme von (Z)-3-Hexenal und einer drastischen Abnahme von Acetaldehyd im Konzentratsaft führte. In sensorischen Experimenten wurde ermittelt, dass dieser Verlust den Frische-Charakter des Saftes deutlich absinken lässt. Wirtschaftliche Bedeutung: Das Aroma ist ein wesentlicher Parameter für die Qualität von Orangensaft. Die Charakterisierung entscheidender Aromastoffe von Säften in Abhängigkeit von prozesstechnischen Schritten sowie der Lagerung ist daher die Basis zur Klärung der Ursachen von Aromaveränderungen und eröffnet Wege zur Aromaoptimierung. Auf der Basis der erarbeiteten Daten wird die einschlägige Industrie in die Lage versetzt, den Einfluss der Zusammensetzung der Fraktionen zur Optimierung des Frische-Charakters von Orangensaft aus Konzentrat zu nutzen. Weiterhin können die Abpack- und Pasteurisationstechnologie optimiert und dadurch das Saftaroma positiv beeinflusst werden. Für den Bereich der Qualitätskontrolle werden Daten bereitgestellt, um die authentische Aromastoffzusammensetzung der Rohstoffe besser kontrollieren zu können. Publikationen (u.a): 1. FEI-Schlußbericht 2001.
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