Jahresbericht 1990Inhaltsverzeichnis
Arbeiten zur Chemie, Biochemie und Mikrobiologie
Zusammenfassungen1. ARBEITEN ZUR ANALYTIK 1.1. Zum Geschmack von Fleischbrühe Ausgangslage: Eine Reihe von Arbeiten berichten über flüchtige und nichtflüchtige Inhaltsstoffe von Fleischbrühe. Es fehlen aber Informationen über ihren Beitrag zum Gesamtgeschmackseindruck. Forschungsziel: Fleischbrühe sollte auf flüchtige und nichtflüchtige Verbindungen analysiert werden mit den Ziel, die sensorisch relevanten Geruchs- Ergebnis: Die flüchtige Fraktion aus Fleischbrühe wurde durch Vakuumdestillation und Extraktion mit Pentan/Diethylether erhalten. Verbindungen mit hohen Aromawerten wurden durch Aromaverdünnungsanalyse detektiert und dann identifiziert. Zur Trennung des nichtflüchtigen Anteils wurde gefriergetrocknete Brühe der Gelchromatographie und der RP-HPLC unterworfen. Die erhaltenen Fraktionen wurden auf Proteine, Peptide, Aminosäuren, Nucleotide und Nucleoside analysiert. Ferner wurden im Lyophilisat die organischen Säuren und die Mineralstoffe bestimmt. Die Ergebnisse der chemischen und sensorischen Analyse erlaubten eine stufenweise Imitation von Fleischbrühe. Ein System, bestehend aus dem Vakuumdestillat und Gelatine, Asparaginsäure, Glutaminsäure, 5'-AMP, 5'-IMP, Carnosin, Anserin, Carnitin, Milchsäure, Pyroglutaminsäure, Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Chlorid und Phosphat, erwies sich bei der sensorischen Prüfung als weitgehend identisch mit Fleischbrühe. 1.2. Aromaextraktverdünnungsanalyse handelsüblicher Fleischaromen Ausgangslage: Zur Hebung der sensorischen Eigenschaften von Zubereitungen bei denen Fleischgeschmack erwartet wird, dienen Fleischaromakonzentrate, die z.B. durch Erhitzen von Mischungen bestehend u.a. aus Hydrolysaten pflanzlicher Proteine oder Hefe hergestellt werden. Forschungsziel: Charakterisierung handelsüblicher Fleischaromen mit Hilfe einer Aromaextraktverdünnungsanalyse. Ergebnis: Acht handelsübliche Fleischaromen wurden mit Hilfe einer Aromaextraktverdünnungsanalyse (AEVA) verglichen. Die Anzahl der Geruchsstoffe, die mit einem herausragenden FD-Faktor vorkamen, waren unterschiedlich: 8-33. Einige Geruchsstoffe, die in Aromagrammen von Rind- 1.3. Aromastoffe als Indikatoren des oxidativen Fettverderbs Ausgangslage: Durch Autoxidation ungesättigter Acyllipide entstehen Aromastoffe, die in fetthaltigen Lebensmitteln Aromafehler verursachen können. Forschungsziel: Ermittlung flüchtiger Aromastoffe, die aufgrund hoher Aromawerte als Meßgrößen zur Bestimmung des oxidativen Fettverderbs geeignet sind. Für solche Aromastoffe sollen dann Methoden für die quantitative Analyse entwickelt werden. Ergebnis: Für die Bestimmung von Hexanal, (Z)-3- 1.4. Quantifizierung von Aromastoffen durch Isotopenverdünnungsanalyse Ausgangslage: Eine Isotopenverdünnungsanalyse ist für die Bestimmung labiler Aromastoffe (ungesättigte Carbonylverbindungen, Thiole, Hydroperoxide) und für Aromastoffe, die sich aus dem Lebensmittel schlwer abtrennen lassen, besonders geeignet. Für ihre Durchführung sind die mit einem stabilen Isotop (meist Deuterium) markierten Aromastoffe als interne Standardsubstanzen erforderlich. Die Synthese dieser Verbindungen ist der entscheidende Schritt bei der Entwicklung der Methode. Forschungsziel: Entwicklung von Verfahren für die quantitative Analyse labiler Aromastoffe. Ergebnis: Die Arbeiten wurden fortgesetzt mit der Entwicklung von Isotopenverdünnungsanalysen für beta- Das Bestimmungsverfahren für DHF ist so empfindlich, daß die Verteilung des Aromastoffes innerhalb einer Erdbeerfrucht gemessen werden kann. Eine hohe MDF- 1.5. Untersuchungen über die Reifung von Cheddar Ausgangslage: Analytische Methoden, die Aussagen über den Reifezustand von Käsen liefern, ermöglichen nicht nur eine Verfolgung und Kontrolle von Herstellungsprozessen, sondern auch eine Weiterverarbeitung der Käse zum optimalen Zeitpunkt. Als Meßgröße bietet sich der Proteinabbau an, der z.B. über den in Citratpuffer pH 4,6 (Reifungsumfang) oder 12 %iger Trichloressigsäure löslichen Stickstoff (Reifungstiefe) zu erfassen ist. Die Aussagekraft solcher einfacher Methoden ist aber begrenzt, da sie keine Informationen über die vorliegenden Abbauprodukte liefern. Forschungsziel: Am Beispiel von Cheddarkäse sollen die während der Reifung auftretenden Proteinabbauprodukte mit elektrophoretischen und chromatographischen Methoden erfaßt, weitgehend charakterisiert und auf ihre Eignung als spezifische Kenngrößen für den Reifungszustand geprüft werden. Solche Kenngrößen sollen schließlich in Beziehung zu den genannten, über einfache Methoden zu ermittelnden Meßgrößen gesetzt werden. Ergebnis: Durch Extraktion der Käse mit Wasser oder Citratpuffer und anschließende Fällung bei pH 4,6 oder mit TCE bzw. Ethanol ließen sich die Proteine und Peptide in mehrere Fraktionen zerlegen, die durch RP-HPLC und durch elektrophoretische Verfahren weiter aufgetrennt wurden. Es standen Käse deutscher und englischer Herstellung zur Verfügung, die bei 4°C und 10°C gereift waren. Proben wurden zwischen 3 und 36 Wochen entnommen. Der gesamte lösliche Stickstoff, erfaßt nach Kjeldahl und der lösliche freie Aminostickstoff, erfaßt durch Anfärbung mit o-Phthaldialdehyd stiegen praktisch linear mit der Reifungszeit an. Die Erhöhung der Reifungstemperatur von 4°C auf 10°C führte zu einem Anstieg des löslichen Stickstoffs um den Faktor 1,3. Der englische Käse enthielt auf allen Reifungsstufen ca. 20 % weniger löslichen Stickstoff als der deutsche Käse. Die unterschiedlichen mittleren Kettenlängen der Peptide, sowohl in den bei pH 4,6 als auch in den TCE- Die Trennung der bei pH 4,6 löslichen Stickstoffverbindungen durch RP-HPLC ergab charakteristische Peptidmuster und einen deutlichen Anstieg der Peptide mit zunehmender Reifungszeit. Einige Peptide erreichten ein Plateau, andere durchliefen ein Maximum. Englischer und deutscher Cheddar zeigten deutlich differente Peptidmuster. Eine Unterscheidung zwischen den englischen und deutschen Käsen scheint über einige charakteristische Peptide möglich zu sein. Die Isolierung einer Reihe von markanten Peptiden und ihre Zuordnung zu den Caseinsequenzen ist im Gange. 1.6. Nährwerttabellen Ausgangslage: Dem jeweiligen Wissensstand entsprechende Tabellen über die Zusammensetzung von Lebensmitteln sind für Administration, Ernährungsberatung, Wirtschaft und Wissenschaft unentbehrlich. Forschungsziel: Das von SOUCI, FACHMANN und KRAUT begründete Tabellenwert (SFK- Ergebnis: Die 4. Auflage der großen Tabelle erschien im Nobember 1989. Die Arbeiten an der 5. Auflage sind im Gange und betreffen insbesondere Daten für Ballaststoffe, Fettsäuren, Cholesterin, Tokopherole, Jod, Natrium und Kalium. Das Manuskript für die 2. Auflage der kleinen Tabelle wurde im Mai 1990 abgeschlossen und befindet sich im Druck. Im April 1990 erschien eine italienische Version der kleinen Tabelle. 2. ARBEITEN ZUR CHEMIE, BIOCHEMIE UND MIKROBIOLOGIE 2.1. Primäre Aromastoffe von Dillsamen und Dillkraut (Anethum graveolens) Ausgangslage: In der Literatur werden Carvon und Limonen sowie (3R,4S,8R)- Forschungsziel: überprüfung dieser Angaben mit Hilfe einer Aromaextraktverdünnungsanalyse. Ergebnis: (+)-S- 2.2. Untersuchungen zur Bildung von Röstaromastoffen in Weißbrotkruste Ausgangslage: 2-Acetyl- Forschungsziel: Bewertung des Einflusses der Hefe auf den Aromawert des ACPY in der Weißbrotkruste; Identifizierung von Aromastoffvorläufern sowie Klärung von Reaktionswegen, die zur Bildung des ACPY führen. Ergebnis: In einem Extrakt flüchtiger Verbindungen aus der Kruste eines Modellbrotes, das ohne Hefezusatz hergestellt worden war, wurden die Aromastoffe über eine Aromastoffverdünnungsanalyse erkannt und auf der Basis ihrer FD-Faktoren, d.h. ihrer Aromawerte, mit den Krustenaromastoffen eines Brotes aus Hefeteig verglichen. Der herausragendste Unterschied war, daß beim Fehlen von Hefe der Aromawert von ACPY um den Faktor 30 abnahm. In der Fraktion flüchtiger Verbindungen aus einem erhitzen Bäckerhefe/Saccharose- Die verwendete Hefe enthielt 890 mg/kg freies Prolin. Modelluntersuchungen an verschiedenen Mischungen von Prolin und Zuckern bzw. Metaboliten des Kohlenhydratabbaus in Hefe ergaben, daß Prolin und Dihydroxyacetonphosphat wichtige Vorläufer zur Bildung des ACPY beim Backen sind. In der Fraktion saurer Aromastoffe aus Weißbrotkruste wurden 2-Methyl- 2.3. Primäre Aromastoffe der Weißbrotkrume Ausgangslage: Obwohl bisher eine große Anzahl flüchtiger Verbindungen identifiziert worden sind, blieb unklar, welche davon zum Aroma der Weißbrotkrume einen wesentlichen Beitrag leisten. Forschungsziel: Identifizierung der flüchtigen Aromastoffe, die primär zum Aroma der Weißbrotkrume beitragen; Vergleich mit den Aromastoffen der Weißbrotkruste. Untersuchungen über den Einfluß einer verlängerten Teigfermentation auf das Aroma der Krume. Ergebnis: Durch eine Aromaextraktverdünnungsanalyse wurden Diacetyl, Methional, 1-Octen- 2.4. Weizen während der Reifung: Analyse der Gliadine und Glutenine mittels RP- Ausgangslage: Chemische Zusammensetzung, rheologische Eigenschaften und Backeigenschaften von Weizen sind im Verlauf der Reifung großen Veränderungen unterworfen. Forschungsziel: In Fortführung einer früheren Arbeit über chemische Veränderungen an der Weizensorte Schirokko während der Reifung sollten die Gliadine und Glutenine mit Hilfe der RP- Ergebnis: Für die Gliadinfraktion konnte gezeigt werden, daß im Reifungsverlauf die α-Gliadine zuerst und die γ- 2.5: Trennung und quantitative Bestimmung der HMW- Ausgangslage: Aus der Literatur ist für eine größere Zahl von Weizensorten bekannt, daß die durch SDS- Forschungsziel: Da die Auflösung des genannten Trennsystems für eine quantitative Bewertung einzelner HMW- Ergebnis: Die RP-HPLC mit einem harnstoffhaltigen System und einem extrem flachen Gradienten führte zu sehr guten Trennergebnissen und erlaubte eine befriedigende quantitative Auswertung der Chromatogramme. 24 Weizensorten mit unterschiedlichen technologischen Eigenschaften wurden mit dieser Methode quantitativ auf HMW- 2.6. Fraktionierung und Charakterisierung von reduzierten Gluteninen der Weizensorte Rektor Ausgangslage: Es ist bekannt, daß die Glutenine für die funktionellen Eigenschaften von Weizensorten besondere Bedeutung haben. Wegen der Komplexität und der schlechten Löslichkeit dieser Proteinfraktion, ist eine Trennung in die Komponenten schwierig. Forschungsziel: Aus einer Weizensorte mit guten Backeigenschaften (Rektor) sollten die monomeren Glutenine durch Kombination geeigneter Verfahren isoliert, weitgehend getrennt und charakterisiert werden. Ergebnis: Weizenmehl der Sorte Rektor wurde entfettet und stufenweise mit gepufferter 0,4 mol/l NaCl- Aus dem Rückstand von Extrakt E1 wurden durch extrahieren mit 70 %-igem wässrigen Ethanol/DTE bei pH 3,5 und 60°C die vier hochmolekularen (HMW) Untereinheiten von Glutenin isoliert (E4), durch RP-HPLC getrennt und charakterisiert. Die Untereinheiten hatten durchweg eine sehr ähnliche Aminosäurezusammensetzung und zeichneten sich von allen Kleberproteinen durch die höchsten Werte für Gly (18,2-19,8 mol-%), Typ (5,1-6,3 mol-%) und Thr (3,2-3,8 mol-%) aus. Neuen Edmanzyklen ergaben identische N-Termini, mit Ausnahme von Position 6, die durch Glu, Gly oder Arg besetzt war. Die Ergebnisse stimmen mit Literaturdaten für HMW- 2.7. Klassifizierung der Proteinkomponenten des Weizenklebers Ausgangslage und Forschungsziel: Die wichtigsten Proteinkomponenten des Weizenklebers sind aus der Literatur und aus eigenen Arbeiten bekannt, so daß nun eine Klassifizierung anhand der vorliegenden Daten möglich ist. Ergebnis: Die Kleberproteine des Weizens lassen sich in drei Hauptgruppen einordnen: Eine hochmolekulare Gruppe, die die HMW- Aus allen bisher bekannten Daten kann geschlossen werden, daß die Kleberproteinkomponenten innerhalb einer Gruppe bzw. Untergruppe in der Zusammensetzung nur wenig differieren. Die Unterschiede gehen in fast allen Fällen auf Substitution, Deletion und/oder Insertion einzelner Aminosäuren und/oder Oligopeptide zurück. 2.8. Information über die Form von Süßrezeptoren durch Computer Modellierung Ausgangslage: Süßer und bitterer Geschmack werden von vielen sehr verschiedenartigen Verbindungen hervorgerufen. Es ist deshalb interessant, nach strukturellen Gemeinsamkeiten zu suchen und allgemein gültige Modelle für süße und bittere Verbindungen zu entwickeln. Solche Modelle können sowohl für die Entwicklung von Süßstoffen als auch für die Erkennung von Bitterstoffen nützlich sein. Forschungsziel: Aufbauend auf frühere Arbeiten (cf. Bericht 1986, S. 151) sollten mit verbesserten Computerprogrammen die Grundmodelle für süße Verbindungen weiterentwickelt werden. Ergebnis: Zwei Grundmodelle für süße Verbindungen wurden mit Hilfe eines Molekülbauprogramms durch überlagerung der e/n-Systeme süßer und nichtsüßer Moleküle aus den verschiedensten Strukturklassen entwickelt. Die Modelle basieren auf psychophysikalischen Daten (Geschmacksschwellenwerte) und lassen die erlaubten Dimensionen süßer Moleküle deutlich erkennen. Die Süßstärke einer Verbindung hängt stark von der Lokalisierung hydrophober Gruppen im vorgegebenen Süßraum ab. Die Modelle umfassen Aminosäuren, Oxathiazinondioxide, Benzisothiazolondioxide, Carboxyalkylbenzamide, Naphthoimidazole und verwandte Verbindungen.
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