Jahresbericht 1992Inhaltsverzeichnis
Arbeiten zur Chemie, Biochemie und Mikrobiologie
Zusammenfassungen1. ARBEITEN ZUR ANALYTIK 1.1. Furanfettsäuren in Butter und Butterschmalz Ausgangslage: Bei Belichtung entsteht in Butter ein Aromafehler, an dem 3-Methyl- Forschungsziel: Identifizierung und quantitative Analyse von Furanfettsäuren in Butter und Butterschmalz. Ergebnis: Neun Furanfettsäuren (F-Säuren), unter denen die 12,15-Epoxy- 1.2. Vergleichende Untersuchungen der Aromastoffe verschiedener Olivenöle (Jungfernöle) Ausgangslage: Das Aroma ist für Olivenöl ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Forschungsziel: Identifizierung und quantitative Analyse der Aromastoffe, die das Aroma von Olivenöl hervorrufen. Untersuchungen über den Einfluß der Provenienz auf das Aroma. Ergebnis: Zur Präzisierung der Ergebnisse von Aromaextraktverdünnungsanalysen (vgl. Bericht 1991) wurden 15 potente Geruchsstoffe in vier Jungfernölen mit unterschiedlichem Aroma quantifiziert und ihre Aromawerte auf der Basis retronasaler Geruchsschwellen in einem Öl berechnet. Aus einem Vergleich der Aromastoffe mit hohem Aromawert einschließlich ihrer Geruchsqualität mit den Aromaprofilen der vier Jungfernöle wurde abgeleitet, daß die folgenden Geruchsstoffe für die in Klammern angegebenen Geruchsnoten verantwortlich waren: (Z)-3- 1.3. Aroma von Kaffee Ausgangslage: Die Aromen von geröstetem Kaffee und dem daraus hergestellten Getränk sind sehr unterschiedlich. Forschungsziel: Durch eine qualitative und quantitative Analyse wichtiger Aromastoffe soll der Aromaunterschied objektiviert werden. Ergebnis: Die Aromaextrakt- 1.4. Quantifizierung niedermolekularer SH-Verbindungen in Mehlen und Teigen Ausgangslage: Glutathion, Cystein und andere niedermolekulare SH-Verbindungen können schon in sehr niedrigen Konzentrationen die Fließeigenschaften von Teigen und das Backergebnis beeinflussen. Eine quantitative Analyse dieser Verbindungen ist deshalb von Interesse. Forschungsziel: Entwicklung von Methoden für die quantitative Analyse freier und über Disulfidbrücken gebundener SH-Verbindungen. Ergebnis: Eine Isotopenverdünnungsanalyse (IVA) wurde für das freie reduzierte (GSH) und das gesamte Glutathion (GSH, GSSG proteingebundenes Glutathion) entwickelt und auf seine Genauigkeit und Empfindlichkeit überprüft. Die neue Methode für GSH erfordert die Extraktion der Mehlprobe mit einem Puffer bei pH 4,5, der N-Ethylmaleinsäureimid (NEMI) und [14C]-GS- Anwendungen der IVA zeigten, daß die Konzentrationen von GSH (16 bis 41 nmol/g) und von gesamtem Glutathion (170 bis 185 nmol/g) relativ gering waren in Mehlen mit niedrigen Aschegehalten, aber das sie mit steigendem Ausmahlungsgrad zunahmen. Die GSH-Konzentration war in einem Mehl höher, das aus Körnern stammte, die in Abwesenheit von Sauerstoff gemahlen worden waren. Die Lagerung von Mehlen erniedrigte den GSH-Gehalt. Die IVA von Mehlfraktionen zeigte, daß der Extraktionsrückstand, der aus Stärke und Glutelinen bestand, das meiste gebundene Glutathion enthielt. 1.5. Kapillarelektrophorese von Kohlenhydraten Ausgangslage: Die Kapillarelektrophorese ist eine relativ neue Methode, die für die Analyse niedermolekularer Lebensmittelbestandteile interessant sein könnte. Forschungsziel: Analyse von Kohlenhydraten in Lebensmitteln mit Hilfe der Kapillarelektrophorese. Ergebnis: Komplexe Modellgemische von Mono- und Oligosacchariden, die auch saure Kohlenhydrate enthielten, konnten ohne Derivatisierung getrennt, durch indirekte UV- 1.6. Sojanachweis in Fleischprodukten - Vergleich verschiedener Blotting- und Detektionsmethoden nach elektrophoretischer Trennung auf ExcelGel SDS Ausgangslage: Nachweis und Bestimmung von Sojaproteinen in Lebensmitteln, insbesondere in Fleischprodukten, sind mit verschiedenen elektrophoretischen Techniken möglich, deren Leistungsfähigkeit bisher nicht ausreichend untersucht wurde. Forschungsziel: Vergleichende Bewertung einschlägiger Methoden. Ergebnis: Bei einer spezifischen Sojaproteinanfärbung nach Blotting läßt sich die elektrophoretische Trennung auf ExcelGel SDS- Zum Proteintransfer auf Immobilon- Von den beiden untersuchten Detektionsmethoden sind sowohl das Immunogold/Silver Staining (IGSS) als auch das Lectinblotting für viele Anwendungen gut geeignet. Die IGSS- 1.7. Grosse Nährwerttabelle Souci- Ausgangslage: Dem jeweiligen Wissensstand entsprechende Tabellen über die Zusammensetzung von Lebensmitteln sind für Administration, Ernährungsberatung, Wirtschaft und Wissenschaft unentbehrlich. Forschungsziel: Das von Souci, Fachmann und Kraut begründete Tabellenwerk (SFK- Ergebnis: Die Arbeiten an der 5. Auflage der großen Tabelle, die im Herbst 1993 erscheinen soll, wurden fortgesetzt. Schwerpunkte lagen bei Hauptbestandteilen von Schlachttieren, verwertbaren Kohlenhydraten, Spurenelementen (Aluminium), Vitaminen (B6, A und A-aktive Carotinoide), Carotinoiden ohne Vitamin A-Aktivität und Glutathion. 2. ARBEITEN ZUR CHEMIE, BIOCHEMIE UND MIKROBIOLOGIE 2.1. Aromastoffe von erhitztem Fleisch Ausgangslage: Rohes Fleisch hat nur einen schwachen Geruch und einen blutähnlichen Geschmack. Das typische Fleischaroma entwickelt sich erst während des Erhitzens durch einen thermischen und oxidativen Abbau von Zuckern, Aminosäuren, ungesättigten Fettsäuren und von Thiamin. Forschungsziel: Identifizierung der flüchtigen Aromastoffe, die primär zum Geruch von erhitztem Fleisch beitragen. Untersuchungen des Einflusses der Tierart und des Zubereitungsverfahrens. Ergebnis: Die Untersuchungen wurden fortgesetzt mit einer Analyse von gebratemen Rindfleisch. Die Aromaextrakt- 2.2. Modellversuche zur Bildung von Fleischaromen Ausgangslage: 2-Methyl- Forschungsziel: Ermittlung der Vorläufer durch geeignete Modellversuche. Ergebnis: Die Modellsysteme enthielten Reaktanten, die in der Literatur als Vorläufer der drei oben genannten Geruchsstoffe diskutiert werden, in Konzentrationen in einem Pyrophosphat- Bei einer Kochzeit von 2 h ging aus dem Abbau von Thiamin mehr MF-SH hervor als aus der Reaktion von Ribose mit Cystein. Ein Zusatz von Cystein und im geringeren Umfang auch von Schwefelwasserstoff verstärkte die Bildung von MF-SH aus Thiamin. Im Unterschied zu Thiamin war Thiaminpyrophosphat kein Vorläufer des MF-SH. Die Konzentrationen von FF-SH und MF-S2 waren in allen untersuchten Modellsystemen sehr niedrig. 2.3. Untersuchungen zur Bildung von 4-Hydroxy- Ausgangslage: Anhand von Aromaextraktverdünnungsanalysen (AEVA) konnten wir das intensiv karamelartig riechende 4-Hydroxy- Forschungsziel: Bewertung des Aromabeitrages von HDMF in Brotkruste und Popcorn, Identifizierung von Aromastoffvorläufern sowie Klärung von Reaktionswegen, die zur Bildung von HDMF führen. Ergebnis: Hohe Aromawerte, die aus quantitativen Daten sowie Geruchsschwellenwerten ermittelt wurden, bestätigten die Ergebnisse der AEVA wonach HDMF den entscheidenden Beitrag zur Karamelnote sowohl von Weißbrotkruste als auch von Popcorn leistet. Modellbackversuche ergaben, daß die Bäckerhefe die wichtigste Quelle von Vorläufern des HDMF in Weißbrotkruste ist. Beim Erhitzen (60 min, 100°C) einer wässrigen Lösung der Fraktion niedermolekularer Verbindungen, die durch Zellaufschluß und Ultrafiltration aus Bäckerhefe isoliert worden war, entstanden große Mengen des Aromastoffes. Eine Analyse der freien Zucker in dieser Fraktion sowie Ergebnisse von Modellversuchen verdeutlichten, daß der in Hefe mengenmäßig vorherrschende freie Zucker Fructose- 2.4. Altgeschmack von gelagertem Weißbrot Ausgangslage: Das Aroma von frischem Weißbrot ist nicht stabil. Insbesondere das Aroma der Kruste geht bei der Lagerung sehr schnell verloren und es entsteht ein Altgeschmack. Forschungsziel: Objektivierung der Aromaminderung durch Headspace- Ergebnis: Eine vergleichende AEVA der durch Gasextraktion gewonnenen Verbindungen ergab: 3-Methylbutanal (malzig), 2-Acetyl- 2.5. Wichtige Geruchsstoffe von hellem Vollbier - Unterschiede zu anderen Biertypen und Veränderungen bei der Lagerung Ausgangslage: In flüchtigen Fraktionen aus Bier wurden bisher mehr als 500 Verbindungen identifiziert, deren Aromabeitrag allerdings noch unklar ist. Das Aroma von Bier ist relativ instabil. In Abhängigkeit von den Lagerungsbedingungen sowie der Biersorte entstehen Fehlaromen, die als "süß, toffee- Forschungsziel: Klärung der wichtigsten Geruchsstoffe in frischem Bier. Untersuchungen über Unterschiede im Aroma verschiedener Biersorten sowie über Veränderungen bei der Lagerung. Ergebnis: Die Aromaextraktverdünnungsanalyse der flüchtigen Verbindungen aus hellem Vollbier ergab 33 potente Geruchsstoffe unter denen 3-Methylbutanol, 2-Phenylethanol, 4-Vinyl- Nach der Lagerung eines hellen Vollbieres (14 Tage; 40°C) in Gegenwart von Sauerstoff veränderten sich die FD-Faktoren der meisten wertgebender Aromastoffe des frischen Bieres nicht. Andererseits traten Phenylacetaldehyd (süßlich, honigartig), 3-Methyl- 2.6. Disulfidbindungen in Weizenkleber Ausgangslage: Disulfidbindungen im Glutenin sollen wesentlich zu den viskoelastischen Eigenschaften von Weizenteigen beitragen, wurden allerdings bisher nicht lokalisiert und näher charakterisiert. Forschungsziel: Aus enzymatischen Gluteninhydrolysaten sollten deshalb Cystinpeptide isoliert, in ihrer Struktur aufgeklärt und bekannten Sequenzen von Kleberbausteinen zugeordnet werden. Ergebnis: Insgesamt wurden 36 Cystinpeptide isoliert. Für HMW- 2.7. Gluteninfraktionen und rheologische Eigenschaften verschiedener Weizensorten Ausgangslage: In der Literatur finden sich zahlreiche Hinweise auf die Bedeutung der HMW- Forschungsziel: Untersuchung der Korrelation zwischen Gluteninfraktionen und rheologischen Daten aus Weizensorten unterschiedlicher Qualität. Ergebnis: Aus den Untersuchungen an 9 Weizensorten folgt eindeutig, daß die Menge an x-HMW Untereinheiten des Glutenins für den Dehnwiderstand verantwortlich ist, wobei die Art der anwesenden Untereinheiten dieses Types keine entscheidende Rolle zu spielen scheint. Da der Dehnwiderstand andererseits keine ausgeprägte Abhängigkeit von der Menge an y-HMW- 2.8. Quantitative Bestimmung der Gliadin-Untergruppen verschiedener Weizensorten Ausgangslage: In der Literatur wird verschiedentlich der Einfluß von Gliadinkomponenten auf die Weizenqualität diskutiert. Quantitative Daten fehlen aber weitgehend. Forschungsziel: An einer repräsentativen Auswahl von Weizensorten mit bekannten rheologischen Eigenschaften sollte die Gliadinmenge und die Verteilung auf die Gliadinfraktionen ermittelt werden. Ergebnis: Zunächst wurden verschiedene Extraktionsverfahren verglichen. Die direkte Extraktion des Gliadins aus Mehl mit 50 %igem wässrigem Ethanol unter Einsatz von Ultraschall lieferte die besten Ergebnisse. Die erhaltenen Gliadinmengen waren den Proteingehalten der Mehle proportional. Die durch HPLC erhaltenen Gliadinmuster waren sortentypisch, ließen aber keine Beziehungen zu den rheologischen Eigenschaften der Teige erkennen. Die α- 2.9. Spezifität von monoklonalen Antikörpern gegen das Gliadinpeptid B3144 Ausgangslage: Der Nachweis von Gliadin in den speziell für Zöliakiekranke hergestellten "glutenfreien" Lebensmitteln ist mit immunchemischen Methoden möglich. Allerdings gilt für alle bisher beschriebenen Tests einschränkend, daß partiell hydrolysiertes Gliadin nicht bestimmt werden kann und die für den Nachweis relevanten antigenen Teilstrukturen von Gliadin nicht mit den toxischen identisch sind. Forschungsziel: Mit Hilfe von monoklonalen Antikörpern gegen das Gliadinpeptid B3144 soll ein empfindlicher, hochspezifischer Test entwickelt werden, der sich gegen die toxischen Strukturen richtet und auch erhitztes oder partiell hydrolysiertes Gliadin erfaßt. In einer ersten Versuchsreihe soll zunächst die Spezifität der gewonnenen Antikörper untersucht werden. Ergebnis: Fünf monoklonale Antikörper, die nach Immunisierung von Mäusen mit dem Gliadinpeptid B3144 gewonnen wurden, zeigten eine starke Reaktion mit Gliadin. Drei davon reagierten auch mit den für Zöliakiekranke verträglichen Prolaminen von Reis, Mais, Millet- und Sorghumhirse. Zwei monoklonale Antikörper richteten sich spezifisch gegen die toxischen Prolamine von Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Ihre Spezifität gegenüber den Gliadinpeptiden B3142, B3143 und B3144 sowie den daraus erhaltenen Fragmenten CT-1 und CT-2 war unterschiedlich. Es ist zu vermuten, daß einer der beiden Antikörper im Bereich des Prolinrestes 36 gebunden wird. 2.10. Lichtmikroskopische Studie zum Ablauf des SDS- und Zeleny Sedimentationstests Ausgangslage: SDS- und Zeleny Sedimentationstest werden häufig zur Beurteilung der Weizenqualität herangezogen, obwohl die ihnen zugrunde liegenden Vorgänge nicht voll verstanden sind und die Ergebnisse nicht immer befriedigen. Forschungsziel: Lichtmikroskopische Untersuchung der beim Sedimentationstest ablaufenden Vorgänge. Ergebnis: Mehlpartikel quellen in den Sedimentationslösungen reversibel auf. Eine Quellung wurde auch bei einzelnen Strängen des Klebernetzwerks beobachtet, wobei die SDS- 2.11. Rheologische Veränderungen von Weizenmehlfraktionen beim Konditionieren Ausgangslage: Erhitzen von Weizen führt zu sortenabhängigen Eigenschaftsveränderungen, deren Ursachen bis heute nicht verstanden werden. Insbesondere ist nicht bekannt, welche Mehlbestandteile beteiligt sind. Forschungsziel: Beitrag zur Klärung der rheologischen Veränderungen durch Untersuchungen an Mehlfraktionen. Ergebnis: Untersucht wurden die Weizenklassen CWRS und DNS. Um den Einfluß von Temperaturen im Bereich von 50-65°C auf Körner und Teige zu ermitteln, wurden Extensogramme verschieden stark erhitzter Proben aufgenommen. Die Ergebnisse zeigen, daß CWRS und DNS unterschiedlich auf thermische Belastung reagieren. Während DNS unterhalb einer Temperatur von 65°C relativ hitzeunempfindlich ist, verändert sich CWRS bereits im Bereich von 50-55°C: Die Teige werden fester, ihre Dehnbarkeit nimmt ab. Weiterhin wurden die Auswirkungen der Hitzebehandlung auf die Mehlfraktionen Stärke, Kleber und wasserlösliche Bestandteile untersucht. Aus Extensogrammen, Remix- Bei Stärke und wasserlöslicher Fraktion konnten mit den angewandten rheologischen Methoden keine Unterschiede zwischen erhitzten und unerhitzten Proben festgestellt werden. Die Zugversuche mit Teigen und Klebern zeigen, daß sich bei beiden Weizenklassen Teig und Kleber durch Erhitze in gleicher Weise verändern. Insgesamt ist dehalb festzustellen, daß dem Kleber bei den durch Hitzebehandlung bedingten Veränderungen die entscheidende Bedeutung zukommt.
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