Inhaltsverzeichnis
Struktur und Funktion niedermolekularer Lebensmittelinhaltsstoffe
Entwicklung spezieller Analysenverfahren
Struktur/Wirkungsbeziehungen bei Biopolymeren
Physiologie
Tabellenwerk zum Nährstoffgehalt von Lebensmitteln
Zusammenfassungen
1. STRUKTUR UND FUNKTION NIEDERMOLEKULARER LEBENSMITTELINHALTSSTOFFE
1.1 Aroma und Geschmack (Genusswert) als Qualitätsparameter
1.1.1 Selektion und Charakterisierung von "Aromahefen" zur Verbesserung des Weizenbrotaromas
Ausgangslage: Weizenbrot zeichnet sich durch eine hohe Qualität aus, die insbesondere auf das attraktive Aroma der Krume und Kruste zurückzuführen ist. Untersuchungen zu diesem wichtigen Qualitätskriterium haben gezeigt, dass unter den 300 flüchtigen Verbindungen von Weizenbrot nur eine geringe Anzahl von Verbindungen für das Krusten- und Krumenaroma verantwortlich ist. Als Quellen der Aromastoffe wurden zum einen das Weizenmehl, das bereits eine Reihe der wertgebenden Krumen- und Krustenaromastoffe enthält, sowie die Bäckerhefe und der Backprozess, durch die Aromastoffe aus geruchlosen Vorstufen durch enzymatische bzw. thermisch induzierte Reaktionen freigesetzt werden, erkannt. Bisher ist jedoch nur unzureichend geklärt, ob Hefestämme aufgrund spezifischer Stoffwechselleistung charakteristische Aromen in Weizenteigen bilden und sich der Einsatz solcher Teige bei der Brotherstellung auf das Aroma des Endproduktes Brot auswirkt.
Forschungsziel: Selektion von Hefestämmen, die zur Bildung charakteristischer Teigaromen befähigt sind, Identifizierung der für die Aromen verantwortlichen Aromastoffe und Untersuchung des Einflusses solcher Teige auf das Krumen- und Krustenaroma von Weizenbroten.
Ergebnis: In sensorischen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass eine Vielzahl von Hefestämmen zur Bildung charakteristischer Weizenteigaromen befähigt sind. Am Beispiel zweier Teige, die mit Bäckerhefe (Saccharomyces cerevisiae) und Dekkera bruxellensis fermentiert wurden, wurde gezeigt, dass beide Hefen signifikant unterschiedliche Aromen generierten. Während die Bäckerhefe ein typisch hefeteigartiges Aroma produzierte, dominierte im Dekkera-Teig eine intensiv-fruchtige Note. Durch Anwendung der Aromaextrakt-Verdünnungsanalyse, Stabilisotopen-Verdünnungsanalyse und Berechnung der Aromawerte konnten die Unterschiede in den Teigaromen insbesondere auf die beiden fruchtig riechenden 2-Methylbuttersäure- und Methylpropansäureethylester zurückgeführt werden, die durch Dekkera bruxellensis in hohen Mengen gebildet wurden. In Backexperimenten wurde der Nachweis erbracht, dass die charakteristische Note des Dekkera-Teiges in die Weizenbrotkrume transferiert werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass es in Zukunft möglich ist, das Brotaroma durch den Einsatz von Teigen, die aufgrund der spezifischen Stoffwechselleistung selektionierter Hefen charakteristische Aromanoten aufweisen, gezielt beeinflusst und somit die Qualität von Weizenprodukten gesteigert werden kann.
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1.1.2. Untersuchungen zur Bildung des typischen kuhstallartigen Fehlaromas in weißem Pfeffer (Piper nigrum L.)
Ausgangslage: Weißer Pfeffer zeigt häufig ein an Kuhstall erinnerndes, fäkalartiges Fehlaroma, das bei der Verwendung derartigen Pfeffers zur Lebensmittelherstellung auf das Endprodukt übergehen kann. Für dieses Fehlaroma werden 3-Methylindol (3MI) und 4-Methylphenol (4MP) verantwortlich gemacht. Bisher blieb jedoch unklar, ob 3MI und 4MP generell für das charakteristische Fehlaroma von weißem Pfeffer verantwortlich sind und ob ggf. weitere Verbindungen daran beteiligt sind. Außerdem war nicht bekannt, ob 3MI und 4MP nur in Ausnahmefällen in weißem Pfeffer auftreten oder ob sie typische Inhaltsstoffe darstellen, ob ihre Konzentrationen von der geographischen Herkunft abhängen und ab welchen Konzentrationen sie sensorisch wirksam werden. Auch war unklar, wie 3MI und 4MP entstehen, bzw. auf welchem Wege sie in den weißen Pfeffer gelangen.
Forschungsziel: 1) Screening aromaaktiver Verbindungen in weißem Pfeffer mit ausgeprägtem Fehlaroma, 2) Quantifizierung der Fehlaromastoffe, insbesondere 3MI und 4MP, in einer repräsentativen Zahl kommerzieller Proben unterschiedlicher Herkunft, 3) Bestimmung ihrer Durchbruchsschwellen, sowie 4) ihres Ursprungs.
Ergebnis: 3MI (fäkalisch, schweinestallartig) und 4MP (fäkalisch, pferdeartig) konnten als wesentliche Verursacher des charakteristischen kuhstallartigen Fehlaromas bestätigt werden. Darüber hinaus spielen 3-Methylphenol (3MP; phenolisch) und Buttersäure (BS; käsig) eine Rolle. 3MI, 4MP, 3MP und BS sind, unabhängig vom Ursprungsland, derzeit als typische Inhaltsstoffe von weißen Pfeffer zu betrachten. Ihre Konzentrationen zeigten im Allgemeinen nur geringe Schwankungsbreiten und lagen deutlich über ihren Durchbruchsschwellen. Eine Bildung von 3MI, 4MP, 3MP und BS bei der Lagerung von weißem Pfeffer konnte nicht nachgewiesen werden. Stattdessen beruht die häufig beobachtete Intensivierung des Fehlaromas bei der Lagerung offensichtlich auf einem Verlust wertgebender Aromastoffe, wodurch der Fehlgeruch stärker hervortritt. Die Gehalte von 3MI, 4MP, 3MP und BS in schwarzem und in frischem Pfeffer lagen deutlich unter denen in weißem Pfeffer, was darauf hindeutet, dass die fermentative Entfernung der äußeren Perikarpschichten der wesentliche Schritt für die Bildung von 3MI, 4MP, 3MP und BS sein könnte.
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1.1.3. Aromastoffe in rohem und gekochtem Schaffleisch
Ausgangslage: Obwohl die Aufzucht der genügsamen Schafe z.B. zur Bewirtschaftung von Brachflächen wünschenswert wäre, ist die Akzeptanz von Schaffleisch aufgrund seines charakteristischen "Hammel"-Geruchs gering. Da Konzepte der molekularen Sensorik (AEDA, Odor Activity Values) bisher kaum bei der Erfassung wichtiger Aromastoffe im Schaffleischaroma angewendet wurden, sind Daten zu wichtigen Aromastoffen und insbesondere zur Ursache des tierartspezifisches Geruches sehr lückenhaft.
Forschungsziel: Durch Anwendung der Aromaextraktverdünnungsanalyse sowie quantitativer Messungen an rohem und gekochtem Schaffleisch sollte neben der Frage nach den wichtigen Aromastoffen in beiden Materialien geklärt werden, (i) welche Aromastoffe bei der Verarbeitung neu gebildet werden und (ii) welche bereits im rohen Fleisch vorliegen.
Ergebnis: Durch Anwendung der Aromaextraktverdünnungsanalyse auf Aromadestillate aus rohem und gekochtem Schaffleisch und anschließende Identifizierungsexperimente konnten 4-Ethyloctansäure (hammelartig), trans-4,5-Epoxy-(E)-2-decenal (metallisch), (Z)-1,5-Octadien-3-on (geranienartig) und (E,E)-2,4-Decadienal (nach Frittierfett) als wichtigste Aromastoffe in gekochtem sowie auch bereits in rohem Fleisch identifiziert werden. Die durch quantitative Messungen bestätigten Ergebnisse zeigten erstmalig, dass wichtige Fleischaromastoffe bereits in rohem Fleisch vorliegen und nicht erst beim Kochen entstehen. Andere Aromastoffe, wie 2-Acetyl-1-pyrrolin und 4-Hydroxy-2,5-dimethyl-3(2H)-furanon, gehen andererseits beim Kochprozess klar aus Precursoren hervor. Stabilisotopenassays zeigten überraschenderweise, dass 4-Ethyloctansäure im nicht-erhitzten, intramuskulären Fett höher war als im Fettgewebe. Dieser Aromastoff, der als Verursacher des "Hammel"-Aromas angenommen wird, kann somit nicht durch Entfernung des Fettes vollständig vermieden werden. Der Kochprozess veränderte die Mengen der Säure kaum. Im ungekochten Fettgewebe waren dagegen 4,5-Epoxy-(E)-2-decenal und weitere Lipidabbauprodukte die wichtigsten Aromastoffe.
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1.1.4. Einfluss von hohem hydrostatischem Druck und erhöhter Temperatur auf die Bildung von Aromastoffen aus der Maillard-Reaktion
Ausgangslage: Hohe hydrostatische Drücke bis zu 1000 MPa werden seit ca. 10 Jahren als Alternative zur Pasteurisation eingesetzt, um thermische Belastungen bei bestimmten Lebensmitteln, z.B. Fruchtsäften, zu vermeiden. Da bei vielen Lebensmitteln das charakteristische Aroma aber erst durch die thermische Behandlung entsteht, müssen geeignete Temperatur-Druckregime erarbeitet werden, um das typische Aroma der Lebensmittel trotz Druckbehandlung zu generieren. Daten zum Einfluss von Druck und Temperatur auf die Aromabildung liegen aber bisher in der Literatur nicht vor.
Forschungsziel: Die thermische Aromabildung aus der Maillard-Reaktion von Prolin und Glucose wurde an der DFA in den vergangenen Jahren intensiv untersucht. Ziel der im vergangenen Jahr durchgeführten Arbeiten war es, den Einfluss von Hochdruck und Temperatur auf das Aromastoffspektrum in diesem Modell zu untersuchen und erste Einblicke in veränderte Reaktionsabläufe zu gewinnen.
Ergebnis: Durch Anwendung der Aroma-Extraktionsanalyse auf Aromadestillate aus einer wässrigen, thermisch behandelten Prolin/Glucose Mischung (90 min, 100 °C) bestätigten unsere früheren Daten, wonach 2-Acetyl-1-pyrrolin (ACPY, röstig) und 2-Acetyltetrahydropyridin (ACTHP, röstig) als wichtigste Aromastoffe gebildet werden. Wurde die gleiche Reaktion unter Hochdruck (650 MPa) durchgeführt, so veränderte sich das Gesamtaroma signifikant von röstig nach karamellartig. Der Grund dafür war die stark reduzierte Bildung von ACPY und ACTHP, wohingegen u.a. die Karamellaromastoffe 2-Hydroxy-3,4-dimethylcyclopent-2-en-1-on und 2-Hydroxy-3-methylcyclopent-2-en-1-on bevorzugt gebildet wurden. Die Anwendung der CAMOLA-Technik sowie quantitative Messungen an Zuckerspaltprodukten zeigten, dass unter Hochdruck die Bildung von transienten Intermediaten, wie 2-Oxopropanal begünstigt ist. Eine neuer, hochdruckinduzierter Bildungsweg zu 2-Hydroxy-3-methylcyclopent-2-en-1-on konnte vorgeschlagen werden.
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1.1.5. Zum Vorkommen des intensiven Aromastoffes 3-Mercapto-2-methylpentanol in rohen und verarbeiteten Allium-Arten
Ausgangslage: Trotz der Vielzahl der in Zwiebeln identifizierten flüchtigen Verbindungen ist es kürzlich gelungen, das bis dahin unbekannte 3-Mercapto-2-methylpentanol als einen der wichtigsten, bis dahin unbekannte Aromastoffe in Küchenzwiebeln zu identifizieren. Der Verbindung wird auch eine positive physiologische Wirkung nachgesagt. Bis heute ist allerdings unbekannt, inwieweit die Verarbeitung von Zwiebeln die Konzentration der Verbindung beeinflusst und ob der Aromastoff auch in anderen Allium-Arten, z.B. Lauch, vorkommt.
Forschungsziel: Ziel der Untersuchungen war es daher, eine Stabilisotopenverdünnungsanalyse zur Quantifizierung des Mercaptopentanols zu entwickeln und den Einfluss der Zwiebelzubereitung auf die Konzentrationen zu bestimmen. Die Daten sollten auch erste Einblicke in Parameter zur Bildung des Aromastoffes geben.
Ergebnis: Durch Synthese von zweifach deuteriertem 3-Mercapto-2-methylpentanol und Kombination der Analytik mit der Massenchromatographie konnte eine sensitive (LoD: 0,2 µg/kg) und selektive Methode zur Bestimmung des Aromastoffes entwickelt werden. Die Anwendung auf Küchenzwiebeln verschiedener Herkunft ergab Mengen von 8 bis 32 µg/kg in rohen Zwiebeln, wohingegen die Konzentrationen auf 34 bis 246 µg/kg anstiegen, wenn die geschnittenen Zwiebeln 30 min bei RT gelagert und dann gekocht wurden. In Extrakten, die durch simultane Destillation/Extraktion des Materials gewonnen wurden, konnten mit 1200 µg/kg die höchsten Mengen gefunden werden. In frittierten und im Ganzen gekochten Zwiebeln entstand der Aromastoff nicht. Es ist daher offensichtlich, dass nach der Zerkleinerung der Knolle enzymatische Vorgänge ablaufen, die zur Bildung einer Vorstufe führen, die schlussendlich thermisch in den Aromastoff zerfällt. In allen anderen Allium-Arten (Lauch, Schalotten etc.) konnte das Mercaptopentanol erstmals identifiziert und quantifiziert werden. Der Bildungsablauf war identisch. Knoblauch und Bärlauch enthielten den Aromastoff, dessen Schwellenwert zu 1,6 ng/L Wasser bestimmt wurde, nicht.
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1.1.6. Charakterisierung adstringierend schmeckender Schlüsselsubstanzen in schwarzem Tee
Ausgangslage: Trotz zahlreicher Studien ist es bis heute nicht gelungen, die am typisch adstringierenden Geschmack von Teegetränken ursächlich beteiligten Schlüsselverbindungen auf molekularer Ebene zu definieren. Es wurden zwar Catechine sowie deren Oxidationsprodukte, die Theaflavine und Thearubigene, als Hauptgeschmacksstoffe in der Literatur diskutiert, jedoch erfolgte bislang keine Evaluierung der einzelnen Teeinhaltsstoffe bezüglich ihrer sensorischen Aktivität sowie deren Beitrag zum Gesamtgeschmack von Tee.
Forschungsziel: Ziel des Vorhabens war es anhand der kombinierten Anwendung von instrumenteller und sensorischer Analytik, die wichtigsten adstringierenden Geschmacksstoffe in schwarzen Teegetränken zu identifizieren und sensorisch zu charakterisieren.
Ergebnis: Die Anwendung der Geschmacksverdünnungsanalyse auf schwarze Teegetränke zeigte erstmals, dass nicht wie in der Literatur angenommen die hochmolekularen Thearubigene, Catechine und Theaflavine, sondern eine Reihe von insgesamt 14 Flavon-3-ol-Glycosiden den Hauptbeitrag zum adstringierenden Geschmack von Tee leisten. Unter diesen Glykosiden gelang es zudem, das Apigenin-8-C-[(-L-rhamnopyranosyl-(1®2)-O-(-D-glucopyranosid] erstmals in Tee zu identifizieren. In Abhängigkeit von der Struktur zeigten die Flavon-3-ol-Glycoside eine samtartige, den Mund belegende Adstringenz bei extrem niedrigen Schwellenwerten, die weit unter denen der Catechine oder der Theaflavine liegen. So wurde z.B. eine Schwelle von 0.001 µmol/L für das Quercetin-3-O-[a-L-rhamnopyranosyl-(1®6)-O-ß-D-glucopyranosid] gefunden, die um den Faktor 190.000 bzw. 16.000 unterhalb der Schwelle von Epigallocatechingallat bzw. Theaflavin liegt.
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1.1.7. Struktur/Aktivitäts-Zusammenhänge für die geschmacksverstärkende Wirkung von Alapyridain
Ausgangslage: Durch Anwendung der Geschmacksverdünnungsanalyse ist es kürzlich gelungen, das (+)-(S)-1-(1-Carboxyethyl)-5-hydroxy-2-(hydroxymethyl)-pyridinium-Salz als geschmacksmodulierende Verbindung in erhitzten Glucose/ Alanin-Lösungen sowie Rindfleischbouillon zu identifizieren. Sensorische Studien ergaben, das dieses sog. Alapyridain in der Lage ist, die humane Sensitivität der Wahrnehmung von süßen, salzigen und umami-artigen Geschmacksstoffen signifikant zu erhöhen. Bislang war jedoch unklar, welche Strukturelemente im Molekül für die geschmacksverstärkende Wirkung des Alapyridains verantwortlich sind.
Forschungsziel: Ziel des Vorhabens war es anhand von synthetischen Alapyridain-Derivaten und systematischer sensorischer Studien erste Einblicke in essentielle Strukturelemente des Alapyridains zu erhalten.
Ergebnis: Um die für eine Geschmacksverstärkung notwendigen Strukturelemente zu identifizieren, wurde eine Reihe strukturverwandter Pyridiniumbetaine synthetisiert, gereinigt und deren physiologische Aktivitäten sensorisch evaluiert. Dabei zeigte sich, dass die Entfernung sowie eine Modifikation der Hydroxyl- bzw. der Hydroxymethyl-Gruppe im Alapyridain zu einem Verlust der geschmacksverstärkenden Aktivität führte. Somit konnte gezeigt werden, dass die 2-(Hydroxymethyl)-5-hydroxypyridin-Struktur für eine Geschmacksverstärkung entscheidend ist. Weder die Verlängerung bzw. die Entfernung der Alkylkette oder der Carboxy-Funktion im 1-(1-Carboxy-2-ethyl)-Rest noch die Einführung weiterer Carboxy-Funktionen führte zu einem aktiven Derivat. Jedoch die Substitution der Methyl-Gruppe durch eine Benzyl-Gruppe ergab eine Verbindung, die ähnliche geschmacksverstärkende Eigenschaften aufwies wie das Alapyridain. Die Einführung eines Moleküls Glycin zwischen dem 1-(1-Carboxy-2-phenylethyl)-Rest und dem Pyridin-Ring führt ebenso zu einer geschmacksverstärkenden Verbindung, womit gezeigt werden konnte, dass auch Dipeptid-Derivate aktiv sind.
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1.2. Techno-funktionelle Eigenschaften von Lebensmittelinhaltsstoffen
1.2.1. Einfluss des Phosphorsäurederivates auf die funktionellen Eigenschaften von Phospholipiden
Ausgangslage: Phospholipide können aufgrund gemeinsamer Strukturmerkmale als Emulgatoren wirken und das Backverhalten von Weizenteigen beeinflussen. Die backtechnischen Wirkungen von Lecithin wie auch von angereicherten Lecithinfraktionen sind bekannt. Nicht bekannt sind jedoch die Aktivitäten isolierter Phospholipidklassen aus verschiedenen Quellen.
Forschungsziel: Die Abhängigkeit der backtechnischen Wirksamkeit von Phospholipiden vom Phosphorsäurederivat sollte systematisch untersucht werden.
Ergebnis: Reine Phospholipidklassen wurden durch präparative Dünnschichtchromatographie aus Rohlecithinen verschiedener Quellen (Soja, Raps, Sonnenblume, Ei) in Mengen isoliert, die für Backversuche und rheologische Tests ausreichend waren. Dabei zeigte sich erstmals, dass Phosphatidylinositol, dem bisher eine eher untergeordnete Bedeutung für die Backaktivität zugeschrieben wurde, als einzige Phospholipidklasse bei sehr kleinen Zusatzmengen zwischen 0,02 und 0,1 % eine gute Backaktivität aufweist. Alle anderen Phospholipidklassen waren in diesem Konzentrationsbereich noch nicht aktiv. Die reinen Phospholipidklassen wurden einzeln und in Kombination eingesetzt und ihre Wirkungen bestimmt. Dadurch wurde ermittelt, welche Phospholipidklassen bzw. welche Phospholipidmischungen besonders gute backtechnische Eigenschaften aufwiesen. Mit dem Gemisch Phosphatidylinositol/ Phosphatidylethanolamin/Phosphatidsäure im Verhältnis 2/1/1 (m/m/m) wurde ein Phospholipidgemisch gefunden, das eine zum Backen optimale Zusammensetzung aufweist (Zunahme des Brotvolumens um bis zu 55 %). Auf dieser Grundlage wurden die Rohlecithine extraktiv aufgespalten, um Produkte mit verbesserten backtechnischen Eigenschaften zu erhalten.
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1.2.2. Einfluss von Mehlverbesserungsmitteln auf die Konzentration von Dityrosin in Weizenmehl und Weizenteig
Ausgangslage: Neben Disulfidbindungen können auch Dityrosin-Crosslinks Getreideproteine kovalent vernetzen und so die funktionellen Eigenschaften von Teigen beeinflussen. Dityrosin-Crosslinks wurden in Getreideproteinen zwar nachgewiesen, quantitative Daten über Dityrosin in Mehlen und Teigen sowie Daten über den Einfluss von Mehlbehandlungsmitteln auf die Konzentration an Dityrosin liegen bisher jedoch nicht vor.
Forschungsziel: Es sollte eine Methode zur quantitativen Bestimmung von Dityrosin in Weizenmehl und -teig entwickelt werden, um die Abhängigkeit der Dityrosin-Konzentration im Teig von der Anteigdauer und dem Zusatz von Mehlverbesserungsmitteln zu untersuchen.
Ergebnis: Als Standardsubstanzen für die quantitative Analyse wurden Dityrosin und [3,3'-13C2]-Dityrosin mittels einer enzymatischen Reaktion synthetisiert und durch Ultrafiltration, Gelchromatographie und präparativer HPLC in reiner Form erhalten. Zur quantitativen Freisetzung von Dityrosin aus den Getreideproteinen wurden diese nach Zusatz des stabilisotopenmarkierten internen Standards mit einem Gemisch aus Propionsäure und Salzsäure hydrolysiert. Die weitere Aufreiningung erfolgte durch Festphasenextraktion an C18-Kieselgel. Die aufgereinigten Hydrolysate wurden durch HPLC getrennt, und Dityrosin wurde durch Tandem-Massenspektrometrie detektiert und quantifiziert. Die Analysenmethode wurde validiert. Sie lieferte eine Nachweisgrenze von 80 ng/g und eine Bestimmungsgrenze von 270 ng/g. Der mittlere Variationskoeffizient lag bei 7,5 %. Mit der neuen Methode wurde die Konzentration von Dityrosin in Weizenmehl (cv. Flair) sowie in Weizenteig in Abhängigkeit von der Anteigdauer (1, 7, 20 min) und dem Zusatz von Mehlverbesserungsmitteln (Glucoseoxidase, Hexoseoxidase, Kaliumbromat, Wasserstoffperoxid) quantitativ erfasst. Es wurde gezeigt, dass beim Anteigen von Weizenmehl Dityrosin gebildet wurde. Mit steigender Knetzeit stieg die Dityrosinkonzentration etwa um den Faktor 2 an, nach 10 min blieb der Wert konstant. Die Enzyme Glucoseoxidase und Hexoseoxidase sowie Wasserstoffperoxid führten dosisabhängig zu einer Steigerung des Dityrosingehaltes, wobei insbesondere ein Zusatz von Glucose zusammen mit den Enzymen eine verstärkte Dityrosinbildung ergab, während nach Zusatz von Ascorbinsäure oder Kaliumbromat keine signifikante Erhöhung des Dityrosingehaltes zu verzeichnen war.
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1.2.3. Herstellung von Folien aus Weizenkleber nach Modifizierung durch Wärme und Hochdruckbehandlung
Ausgangslage: Für Folien aus Weizenkleber besteht zunehmend Interesse, da sie aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt werden, biologisch abbaubar und zum Verzehr geeignet sind. Vorausgegangene Untersuchungen haben gezeigt, dass die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Kleber durch Hochdruckbehandlung nachhaltig beeinflusst werden, deren Wirkung auf Bildung und Eigenschaften von Kleberfilmen wurde jedoch noch nicht untersucht.
Forschungsziel: Entwicklung einer Methode, die es erlaubt, aus kleinen Mengen Kleber Folien herzustellen und Untersuchung der Wirkung einer Wärme- und Druckbehandlung sowie von Zusätzen auf die Folieneigenschaften.
Ergebnis: In zahlreichen Vorversuchen wurde die Rezeptur für die Herstellung von Kleberfolien optimiert. Die besten Ergebnisse lieferte das Suspendieren des Trockenklebers in konzentrierter Ameisensäure unter Verwendung von Glycerin als Weichmacher, das Ausgießen auf eine glatte Oberfläche und das Trocknen bei niedriger Temperatur. Dadurch konnten fast transparente Folien produziert werden. In den Hauptversuchen wurde die Wirkung von Wärme, Druck und Zusätzen mit Hilfe von Dehnversuchen verfolgt, wobei die Reißfestigkeit und Dehnbarkeit die wichtigsten Qualitätsparameter waren. Durch Erwärmen des Klebers (z.B. auf 70 °C) wurde die Folie fester; ihrer Kohäsivität nahm ab und sie riss bei kürzerer Dehnung. Nach Druckbehandlung (200 MPa, 50 °C) waren die Folien deutlich weicher und dehnbarer. Bis 400 MPa waren sie darüber hinaus klebrig und hatten Parafilmcharakter. Bei 800 MPa ging der viskoelastische Charakter verloren und die Folie riss mit glattem Bruch. Aus Gliadin allein ließen sich keine Folien herstellen, Glutenin hingegen bildete fast reinelastische feste Folien. Auch sortenbedingte Unterschiede in den Klebereigenschaften beeinflussten den Charakter der Folien. Durch Zusatz von Reduktionsmitteln (z.B. Cystein, Natriumsulfit) bildete Kleber nach Druckbehandlung zwischen 300 und 400 MPa relativ weiche Folien mit außergewöhnlich elastischen Eigenschaften. Die Ergebnisse zeigten insgesamt, dass aus Weizenkleber durch Variation von Wärme, Druck und Zusätzen eine Vielzahl unterschiedlicher Folien hergestellt werden kann.
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2. ENTWICKLUNG SPEZIELLER ANALYSENVERFAHREN
2.1. Das "Buccal Odor Screening System" (BOSS) als neues analytisches Tool zur Charakterisierung oraler Aromastoffpersistenz in vivo
Ausgangslage: Da die retronasale Wahrnehmung eine Schlüsselempfindung beim Genuss von Espresso darstellt, erfolgte kürzlich die Charakterisierung der für die unmittelbare Aromawahrnehmung beim Konsum von Espresso ausschlaggebenden Verbindungen. Diejenigen Substanzen, die jedoch gerade für den sehr langanhaltenden Nachgeschmack verantwortlich sind, blieben jedoch noch größtenteils unklar.
Forschungsziel: Ziel dieser Arbeit ist die Charakterisierung derjenigen geruchsaktiven Verbindungen, die bei dem nach dem Konsum von Espresso verbleibenden "afterodor" eine besonders große Rolle spielen. Zweiten Schwerpunkt bildet die Aufklärung der Auswirkungen nichtflüchtiger Zusätze wie z.B. Milch auf die Persistenz aromarelevanter Espressokomponenten.
Ergebnis: Mittels eines neues Analysenverfahrens, des Buccal Odor Screening Systems (BOSS) in Kombination mit gaschromatographisch-olfaktometrischen Methoden wurden diejenigen geruchsaktiven Verbindungen charakterisiert, die eine besonders hohe intraorale Persistenz aufweisen. Eine vergleichende, zeitaufgelöste Analyse dieser Substanzen nach Konsum von Espresso mit und ohne Milchzusatz ergab signifikante Persistenzunterschiede. Diesem analytischen Ergebnis wurde eine zeitaufgelöste sensorische Bewertung von einzelnen Aromaqualitäten sowie der Gesamtaromaintensität des Espressogetränks mit und ohne Milchzusatz gegenübergestellt.
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2.2. Simultane Bestimmung von Folsäure und Pantothensäure in mit Vitaminen angereicherten Lebensmitteln durch Stabilisotopenverdünnungsanalysen
Ausgangslage: Mit Vitaminen angereicherte Produkte sind seit längerem als funktionelle Lebensmittel auf dem Markt. Um Ernährungsempfehlungen zu befolgen, ist der Verbraucher auf sichere Gehaltsangaben angewiesen, die aber für die Pantothensäure und die Folsäure schwer zu überprüfen sind.
Forschungsziel: Es sollte daher eine universelle und simultane Stabilisotopenverdünnungsanalyse (SIVA) für Pantothensäure und Folsäure entwickelt werden.
Ergebnis: Die von uns kürzlich publizierten SIVA für endogene Folate und für die Pantothensäure mittels HPLC-Tandem-Massenspektrometrie wurden soweit aufeinander abgestimmt, dass nach einer einstündigen Extraktion beide Vitamine simultan innerhalb eines 30minütigen HPLC-Laufes quantifiziert werden konnten. Das neue Verfahren erwies sich als hervorragend geeignet für die Analyse von supplementierten Lebensmitteln. Laborvergleichsuntersuchungen ergaben für die Folsäure eine gute Übereinstimmung mit dem Standardverfahren, einer mikrobiologischen Methode. In angereicherten Fruchtsäften, Molkeprodukten, Getreideprodukten, Süßwaren, Arzneimitteln, Mehl und Salz wurde für die Pantothensäure fast ausschließlich ein um 30 % höherer Gehalt als angegeben ermittelt. Im Falle der Folsäure wurden im Durchschnitt niedrigere Abweichungen im Vergleich zur Kennzeichnung festgestellt, es wurden aber auch Unterschreitungen das angegebenen Folsäuregehalts von bis zu 69 % festgestellt. Die Ursachen der Abweichungen liegen vermutlich zum einen darin, dass zum Ausgleich von Verlusten während der Herstellung und Lagerung überdosiert wird. Zum anderen ist eine zu hohe Folatangabe auf zum Teil falsche Folatangaben in Nährwerttabellen oder fehlerhafte Analysenmethoden (v. a. mikrobiologischer Art) zurückzuführen.
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2.3. Stabilisotopenverdünnungsanalysen bestätigen den schnellen Abbau des Mykotoxins Patulin im menschlichen Organismus
Ausgangslage: Das Mykotoxin Patulin ist als akut toxisch, mutagen, immunotoxisch und teratogen bekannt. Studien zur Absorption des Toxins, insbesondere im menschlichen Organismus, fehlen bisher, da keine empfindliche und sichere Quantifizierung des Patulins in Blut möglich war.
Forschungsziel: Durch den Einsatz der kürzlich entwickelten Stabilisotopenverdünnungsanalyse soll die Absorption von Patulin beim Menschen sowie dessen Abbau im Blut untersucht werden.
Ergebnis: Nach dem Genuss eines 50 µg/L Patulin enthaltenden Apfelsaftes konnte im Blut der Versuchsperson kein Patulin über der Nachweisgrenze von 200 ng/L nachgewiesen werden. Weitere in-vitro Experimente ergaben, dass das Mykotoxin im Blut äußerst schnell abgebaut wird und nach 2 min nur noch 6,1 % von ursprünglich 100 µg Patulin in 9 mL Blut vorliegen. Es kann daher gefolgert werden, dass selbst hohe, natürlich vorliegende Patulinmengen aus der Nahrung im Verdauungstrakt und Blut abgebaut werden, bevor sie andere Gewebe erreichen.
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2.4. Quantifizierung von Ochratoxin A in Lebensmitteln durch Stabilisotopenverdünnungsanalyse mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie-Tandemmassenspektrometrie
Ausgangslage: Das Mykotoxin Ochratoxin A (OTA), welches von verschiedenen Pilzen der Gattung Penicillium und Aspergillus gebildet wird, kann in einer Vielzahl von Lebensmitteln, wie z.B. Getreide und Getreideerzeugnissen, Kaffee und Trauben, nachgewiesen werden. Seit bekannt ist, dass OTA hepato- und nephrotoxisch wirkt und dieses mit der endemischen Balkan-Nephropathie in Zusammenhang gebracht wird, wurde der Gehalt an OTA in einigen Lebensmitteln durch die Europäische Union limitiert (Getreide 5 µg/kg, Getreideerzeugnisse 3 µg/kg und Rosinen 10 µg/kg). Die gebräuchlichste Methode zur OTA-Quantifizierung ist die HPLC, gekoppelt mit einem Fluoreszenzdetektor. In Ringstudien konnte aber gezeigt werden, dass diese Methode in Getreide- und Fleischprodukten niedrige Wiederfindungen und eine schlechte Reproduzierbarkeit aufweist.
Forschungsziel: Zur sicheren und empfindlichen Nachweis von OTA sollte eine Stabilisotopenverdünnungsanalyse entwickelt werden.
Ergebnis: Die Synthese des isotopenmarkierten Standards erfolgte aus nativem OTA, das mittels Säurehydrolyse in Ochratoxin ( gespalten wurde, welches mit [2H5]-L-Phenylalanin zum [2H5]-OTA umgesetzt wurde. Mit Hilfe des [2H5]-OTA als internen Standards konnte OTA durch LC-Tandem-MS nach Aufreinigung durch Immunaffinitätschromatographie in zertifiziertem Referenzmaterial mit einer Abweichung von 2 % quantifiziert werden. Bei einer Nachweisgrenze von 0,5 µg/kg erwies sich die neue Methode außerdem als empfindlich und gut anwendbar für alle Lebensmittel, in denen OTA bisher detektiert worden war.
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2.5. Entwicklung eines Extraktionsverfahrens für die quantitative Bestimmung von Gluten mittels ELISA
Ausgangslage: Die Novellierung des Codex Alimentarius-Standards für glutenfreie Lebensmittel sieht für die quantitative Bestimmung zöliakieaktiver Prolamine (Gluten) aus Weizen, Roggen und Gerste eine immunchemische Methode (ELISA) vor. Dabei sollen die Prolamine aus den zu analysierenden Proteinen mit 60%igem Ethanol extrahiert werden. Eine Reihe von Untersuchungen hat jedoch gezeigt, dass die Extraktionsrate bei erhitzten Lebensmitteln stark reduziert ist und nur durch den Einsatz eines Reduktionsmittels erhöht werden kann. Reduzierende Bedingungen können jedoch die Effizienz von Antikörpern stark beeinträchtigen.
Forschungsziel: Entwicklung eines Extraktionsmittels und -verfahrens, das eine vollständige Extraktion zöliakieaktiver Prolamine auch aus erhitzten Produkten erlaubt, ohne die Wirkung des im ELISA eingesetzten Antikörpers einzuschränken.
Ergebnis: Zur Anwendung kann ein von Mendez et al. entwickelter Sandwich-Enzymimmunoassay mit dem Antikörper R5, der spezifisch mit den Prolaminen aus Weizen (Gliadine), Roggen (Secaline) und Gerste (Hordeine) reagiert. Mit Hilfe eines Gliadinstandards und von unterschiedlich wärmebehandelten Weizenteigen bzw. -broten wurde getestet, welche Konzentration an Reduktionsmittel (2-Mercaptoethanol) und Desaggregationsmittel (Guanidin) für eine optimale Extraktion der Gliadine notwendig war, ohne den nachfolgenden ELISA zu beeinträchtigen. Die besten Ergebnisse lieferten in Kombination 250 mmol/L 2-Mercaptoethanol + 2 mol/L Guanidin (E2) bei 50 °C und 40 min Extraktionsdauer. Die Wiederfindung von Gliadin in Brot, das bei 230 °C verbacken worden war, betrug annähernd 100 % im Vergleich zum Ausgangsmehl, während die Extraktion mit 60%igem Ethanol (E1) nur zu einer Wiederfindung von ca. 30 % führte. Weitere vergleichende Untersuchungen wurden mit vierzehn Maisbroten durchgeführt, die mit verschiedenen Mengen an Gliadinstandard (0 - 156 mg/kg) versetzt worden waren. Der ELISA ergab für E1 eine Wiederfindung von 31 - 64 % und für E2 91 - 105 %. Die gleichen Unterschiede zwischen E1 und E2 ergaben sich bei der Analyse von hitzebehandelten Handelsprodukten, überwiegend glutenfreien Lebensmitteln. Sogar bei Rohmaterialien wie verunreinigtem Mais- oder Reismehl lagen die Gliadinwerte beim Einsatz von E2 um durchschnittlich 10 % höher, da im Gegensatz zu E1 auch gluteningebundene Gliadine bei der Extraktion erfasst wurden. Das entwickelte Extraktion/ELISA-Verfahren wurde in einem internationalen Ringversuch erfolgreich getestet und vor kurzem vom "Codex Committee on Methods of Analysis and Sampling (CCMAS)" als Methode für die Glutenanalyse in Handelsprodukten anerkannt.
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3. STRUKTUR/WIRKUNGSBEZIEHUNGEN BEI BIOPOLYMEREN
3.1. Fraktionierung von Weizenmehl mit nicht-wässrigen Systemen: Optimierung der Methode und Bestimmung der Proteinzusammensetzung der Fraktionen
Ausgangslage: Da bei der klassischen, wässrigen Fraktionierung von Weizenmehl die funktionellen Eigenschaften des nativen Mehles nicht erhalten werden, gibt es Ansätze, Mehl durch nicht-wässrige Lösungsmittel zu fraktionieren, um insbesondere die irreversiblen Veränderungen des Weizenklebers zu verhindern, die beim Kontakt mit Wasser entstehen. Dazu geeignet ist eine physikalische Trennung von Stärke und Protein in einem inerten Lösungsmittel auf Grund der Unterschiede in ihrer Dichte. Eine entsprechende Methode wurde von Hess bereits vor mehr als 50 Jahren entwickelt.
Forschungsziel: Ziel der Untersuchungen war es, die Fraktionierung von Weizenmehl mit nicht-wässrigen Lösungsmitteln zu optimieren und die erhaltenen Fraktionen hinsichtlich ihrer Proteinzusammensetzung zu charakterisieren.
Ergebnis: Zunächst wurde das Weizenmehl in einer Kugelmühle fein zerkleinert. Zur Fraktionierung wurde ein Gemisch aus Toluol und Tetrachlorethen verwendet. Als Fraktionen wurden erhalten: Protein, Stärke, Restmehl und Lipid. Die in den Fraktionen enthaltenen Proteine wurden durch ein kombiniertes Extraktion/HPLC-Verfahren quantifiziert. Es wurde festgestellt, dass sich die in der Protein- und Stärkefraktion enthaltenen Proteine nur in der quantitativen Zusammensetzung unterschieden, qualitativ lagen keine wesentlichen Unterschiede vor. Es war eine deutliche Anreicherung der Glutenine zu Ungunsten der Albumine/Globuline und Gliadine in der Proteinfraktion im Vergleich zum Ausgangsmehl erkennbar, während Restmehl und Stärkefraktion annähernd die gleichen Verhältnisse zwischen Albuminen/Globulinen, Gliadinen und Gluteninen zeigten. Lediglich in der Stärkefraktion war eine leichte Anreicherung der Albumine/Globuline bei gleichzeitiger Abnahme des Gluteningehalts festzustellen. Die in früheren Arbeiten postulierten Unterschiede zwischen Zwickelprotein (= Proteinfraktion) und Haftprotein (= Protein in der Stärkefraktion) konnten damit nicht bestätigt werden.
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3.2. Identifizierung einer Ferulasäure-Tyrosin-Verknüpfung zwischen Arabinoxylanen und Getreideproteinen
Die Gehalte an Mineralstoffen und Vitaminen in Pflanzen werden von internen Faktoren, wie der Varietät des pflanzlichen Organismus und dem Reifegrad von Früchten und Gemüsen sowie durch externe Faktoren, dazu zählen die klimatischen Bedingungen, der (Boden als Nährstofflieferant der Pflanze, Düngung und Anbauform sowie die Transport- und Lagerungsbedingungen, beeinflusst. In zahlreichen wissenschaftlichen Studien ist der Einfluss der vorher beschriebenen Parameter auf die Vitamin- und Mineralstoffgehalte exemplarisch an verschiedenen Früchten und Gemüsen untersucht worden. Innerhalb unterschiedlicher pflanzlicher Varietäten lassen sich z.T. Schwankungen in den Vitamin- und Mineralstoffkonzentrationen um ein Vielfaches feststellen, alle anderen Parameter zeigen ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf die in pflanzlichen Lebensmitteln vorliegenden Vitamin- und Mineralstoffgehalte. Bei einem Vergleich von Nährwertdaten unterschiedlicher Quellen ist die Darstellung der Daten, insbesondere bei Vitaminen bzgl. ihrer Vitaminaktivität und den Konzentrationen einzelner Derivate zu berücksichtigen. Ebenfalls sind die verwendete Analysenmethode sowie weitere qualitätssichernde Parameter für die Vergleichbarkeit und Beurteilung der vorliegenden Werte zu prüfen. Für eine fundierte wissenschaftliche Diskussion von Veränderungen in den Gehalten wertgebender Inhaltsstoffe ist somit eine Betrachtung von Schwankungsbereichen und deren beeinflussende Parameter notwendig.
Um einen Eindruck des zeitlichen Verlaufs der Konzentrationen von Vitaminen und Mineralstoffen in pflanzlichen Lebensmitteln zu vermitteln, sind Mineralstoff- und Vitamingehalte exemplarisch ausgewählter pflanzlicher Lebensmittel aus 10 internationalen Nährwerttabellen der letzten 50 Jahre zusammengestellt. Anhand dieser Daten lässt sich keine Tendenz zu sinkenden oder steigenden Nährstoffkonzentrationen der betrachteten Lebensmittel in dem angegeben Zeitraum feststellen.